Im September geht es im Rahmen des
HosenHerbstes rund um die Passform/-Ansprüche.
Welche Passformmängel kenne ich von Kauf- oder selbstgenähten Hosen?/Welche Anpassungen habe ich schon mal versucht, die Passformmängel zu beheben?/Wie erkenne ich überhaupt Passformmängel und wie heißt mein Problem?/Wo gibt es Informationen über Anpassungen?/Wovor habe ich den meisten Respekt?
Beim Kauf von Hosen hatte ich hinsichtlich der Passform bisher wenig Probleme. Ich passe gut in meine übliche Größe und da ich kein Hohlkreuz habe, steht auch der Bund nicht ab.
Trotzdem mußte ich eine eigentlich passende Kaufhose des öfteren im Laden lassen, weil sie mir einfach zu kurz war. Ich bin 1,74m groß, so dass mir Kaufhosen, wenn sie nicht in verschiedenen Längen angeboten werden, oft schlicht zu kurz sind.
Die Hosenlänge war vorerst auch die einzige Anpassung, die ich bei den von mir genähten Hosen vorgenommen habe.
Ich sage vorerst, denn mit fortschreitendem Alter wird die Figur ja nicht straffer und bleibt wohlgeformt, sondern wird weicher und vormalige Rundungen-zumindest bei mir-werden flacher.
Das Passformproblem "flacherPo", das
Sandra in ihrem Gastpost bei sich diagnostiziert hat, sehe ich in naher Zukunft auch schon auf mich zukommen.
Passformängel zu erkennen und zu benennen, wenn es nicht gerade zwickt und kneift, finde ich gar nicht so einfach. Mir hilft es da, bei anderen Nähbloggern mitzulesen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Selbst wenn diese Probleme bearbeiten, die ich nicht habe, öffnet es mir den Blick. Unter anderem haben sich Immi (
immi-meyer-naeblog) und Mema (
von-mema) ausführlich mit der Passform beim Hosennähen beschäftigt. Und sicher kann man im Laufe dieses Sew-Alongs durch die Erfahrung der anderen Teilnehmerinnen neue Erkenntnisse gewinnen und davon profitieren.
Mein Anspruch an eine Hose ist nach wie vor, dass sie bequem ist, ich mich gut darin bewegen kann und dass ich mir in der Hose gefalle.
Und sollte da am Ende die ein oder andere kleine Falte sein, die eventeuell nicht dort hingehört, dann ist das eben so. Ich möchte da nicht überkritisch sein, wenn ansonsten der Gesamteindruck stimmt und ich mich in und mit der Hose wohlfühle.
Respekt vor dem Hosennähen bzw. mit etwas, was mit dem Hosennähen zu tun hat, möchte ich gar nicht erst aufbauen. Das würde mich nur hemmen. Ich probiere es einfach.
Apropos Ausprobieren:Die erste Hose nach dem Kaufschnit
V 7250 ist fertig.
Den Schnitt habe ich auf Risiko genäht, zugeschnitten habe ich die größe 36.
Diese Entscheidung ist dem Stoff geschuldet.
Ich hatte einen leichten Baumwollstoff mit geringem Stretchanteil bei Alfatex bestellt. Nach dem Vorwaschen konnte ich auch nach ausgiebigem Ziehen und Zerren in alle Richtungen einen Stretchanteil nicht feststellen. Auch war der Stoff seltsam steif, ganz glatt und fühlte sich an, als wäre er beschichtet.
Stecken ließ der Stoff sich nur sehr schwer. Ich konnte die Nadeln nur mit erheblichem Kraftaufwand durch den Stoff bohren und-viel schlimmer-die Einstiche blieben nach dem Entfernen der Nadeln sichtbar.
Ich war sehr skeptisch, ob dieser Stoff die richtige Wahl war, aber mangels Alternative habe ich einfach losgenäht und die Hose erst vor dem Ansetzen des Bundes anprobiert-sie hat gepasst, na ja, schon eher knapp.
Beim Anprobieren nach der Fertigstellung saß die Hose-ich sag es mal freundlich-sehr fest und ich war nicht wirklich begeistert. Allerdings hat der Stoff nach kurzer Eintragezeit doch nachgegeben-hallo Stretchanteil-ohne dass die Hose jedoch die Form verloren hätte und war damit bequemer.
Der richtige Stoff für den Schnitt ist es aber noch nicht, dafür knittert er mir zu sehr. Vorn geht es, aber die Rückseite ist nach längerer Tragezeit insbesondere durch Aufstehen und Hinsetzen schon sehr knitterig.
Je nach Stoff muß ich beim nächsten Mal wohl auch nochmal die Größe überdenken.
Am Schnitt habe ich zwei Dinge geändert.
Zum einen habe ich in der Länge 7cm zugegeben-praktischerweise ist die Verlängerungslinie im Schnitt eingezeichnet. Der Schnitt hat eine 7/8 Länge, ich wollte jedoch lieber eine knapp normallange Chino. Beim nächsten Mal dürften es auch noch 2cm mehr sein. Ich mußte beim Aufschlag zusätzlich noch ein wenig knausern.
Zum anderen habe ich den Bund vorn und hinten 1 cm tiefer gesetzt. Im Schnitt sitzt die Hose im Schritt tiefer. Mir gefällt das nicht. Ich finde, durch einen tieferen Schritt werden die Beine optisch verkürzt und außerdem beult es sich vorn unschön, wenn man sich hinsetzt.
Auch nicht optimal finde ich die Seitennahttaschen des Schnittes. Diese Form neigt gern mal zum Aufsperren. Das ist jedenfalls bei meiner Chino so. Insbesondere in Bewegung sperren die Taschen mehr oder weniger weit auf und dieser Effekt läßt Hüfte und Po breiter erscheinen, als sie sind. Das liegt bei mir sicher auch am steifen Stoff. Mir gefallen die Taschen der
Ottobrechino (Nr.10) da besser. Vielleicht ändere ich das bei der nächsten Hose.
Hier nun also die schonungslosen Bilder mit sämtlichen (Knitter-)falten. Kritik und Verbesserungsvorschläge sind willkommen.
Julia von
Sewionista findet übrigens, dass Hosen auch im Rückteil Taschen brauchen, da ohne Taschen der Po breiter wirkt. Wie seht ihr das?
LG von Susanne
Fotos:Der Sohn